Ist der aggressive Hund - automatisch gefährlich?
Definition des Begriffs
Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffes „Aggressivität“ beim Hund gibt es nicht. Ist Aggressivität beim Hund automatisch ein Problem? Nicht unbedingt. Denn der Hund ist als Raubtier und Beutegreifer auf Aggressivität angewiesen. Aggressivität auf den Begriff „Angriffsbereitschaft“ einzuengen würde dem Themenkomplex nicht gerecht werden. Vielmehr steht sie im Dienst vieler Funktionen.
Juhr und Brand (2003) habe folgende Definition zu Diskussion gestellt: „Aggressives Verhalten ist eine Strategie - Aktion und Reaktion - zum Erwerb oder zum Erhalt von Ressourcen und Zuständen im Sinne von Bedarfsdeckung (Bedürfnisbefriedigung) und Schadensvermeidung für das Einzeltier bzw. die Gruppe.“
Beurteilung der Gefährlichkeit eines Hundes
Umgangssprachlich wird Aggressivität mit einer gefährlichen Situation gleichgesetzt. Gefährlich wird ein Hund dann, wenn sein Verhalten andere Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, körperlich beeinträchtigt. Es geht also um Situationen, in denen der Hund unangemessen aggressiv reagiert, häufig ohne Vorwarnung ungehemmt beißt.
Wie schon erwähnt gehört Aggressionsverhalten zum normalen Verhaltensrepertoire von Hunden und ist nicht mit Gefährlichkeit gleichzusetzen. Wenn ein gesteigert aggressiver Hund von einer sachkundigen und zuverlässigen Person geführt wird und jederzeit hundertprozentig unter Kontrolle ist, stellt er keine besondere Gefahr für seine Umgebung dar. Ein gefährlicher Hund dagegen muss nicht unbedingt aggressiv sein. So kann ein friedlicher und menschenfreundlicher Hund gefährlich werden, wenn er von einer unerfahrenen, unfähigen oder nachlässigen Person gehalten wird und so z.B. vor ein Auto läuft und einen folgenschweren Unfall verursacht. Für die Beurteilung der Aggressivität oder Gefährlichkeit eines Hundes ist also nicht nur das Wesen des Hundes sondern auch das Wesen des Halters entscheidend (DÖRING-SCHÄTZL, 2003).

Zur Beurteilung der Aggressivität eines Hundes gehört zum einen eine Bestandsaufnahme, wie der Hund in bestimmten Situationen reagiert. Zum anderen gehört aber auch eine individuell angepasste Abschätzung des Verhaltens. Hierbei wird die Motivation des Hundes berücksichtigt. Dabei spielt auch die Kenntnis der Vorgeschichte des Hundes eine wichtige Rolle. Durchschaut man die Motivation des Hundes, lassen sich Verhaltensreaktionen besser einordnen. Zu berücksichtigen ist, dass diese Beurteilung immer individuell erfolgen muss. Das Aggressionsverhalten eines Hundes ist individuell unterschiedlich und von vielen Einflussfaktoren abhängig.
Es ist auch zu bedenken, dass es sich bei der Beurteilung lediglich um eine Einschätzung handelt und in der Regel auch nur um eine Momentaufnahme. Sichere Voraussetzungen über das zukünftige Verhalten sind kaum machbar. Dennoch ist es möglich, mit Hilfe dieser Einschätzung individuell angepasste Maßnahmen zur Verminderung des aggressiven Verhaltens und Gefahrenvermeidung anzuordnen.
